Factsheet und Zeitleiste HoGeSa – Hooligans gegen Salafisten

Von der Redaktion netz-gegen-nazis.de 

Wann gab es erste Hinweise auf die Gruppierung „HoGeSa“ – Hooligans gegen Salafisten? Wann waren die ersten Veranstaltungen? Wie viele Menschen nahmen daran teil? Alle Fakten als Zeitleiste hier.

HoGeSa steht für „Hooligans gegen Salafisten“, eine lose Gruppierung überregional vernetzter rechter Hooligans aus der Fußballszene, die den Salafismus zu ihrem Feind erklärt haben. Zu diesem Zweck mobilisieren Menschen aus der rechten gewaltaffinen Fußballszene und dem Neonazi-Milieu über mehrere, oft wechselnde Online-Foren zu bundesweiten Demonstrationen oder Kundgebungen in verschiedenen (Groß)Städten. Tausende Rassist_innen folgten bisher diesen Aufrufen. Es kam zu schwerwiegenden Ausschreitungen und Ausnahmezuständen während dieser Versammlungen, besonders gravierend in Köln am 26.10.2014. Die HoGeSa bezeichnen sich als unpolitische Hooligans, gegen die die „Nazikeule“ geschwungen wird. Bei ihren Versammlungen sieht man jedoch Kleidung, Symbole, Sticker und hört Parolen, die eindeutig auf Neonazismus, Nationalismus und Rassismus hinweisen. Die angebliche Sorge um den Frieden in Deutschland, der von Salafisten bedroht werde, outete sich schnell als antimuslimischer Rassismus und Rechtsextremismus. Nach eigenen Angaben orientert sich die HoGeSa an Aktionen der britischen islamfeindlichen Organisation „English Defence League“ (EDL), die 2009 aus dem Hooliganmilieu gegründet wurde.

Wann und wo entstand HoGeSa?

GnuHoonters

2012 gründete sich das Internet-Netzwerk „GnuHoonters“, das aus 17 Hooligan-Gruppierungen aus ganz Deutschland bestand. Diese Gruppierung sah zunächst vor allem die eher linksgerichteten Ultra-Gruppen als Feindbilder.

„Weil Deutsche sich’s noch trauen“

Aus GnuHoonters bildete sich das Online-Forum „Weil Deutsche sich’s noch trauen“. Über diese Plattform wurde beispielsweise die Störung der salafistischen Kundgebung des Predigers Pierre Vogel am 23.03.2014 in Mannheim koordiniert. Zu der Störaktion kamen rund 200 Hooligans. Sie setzten sich gegen die Polizist_innen mit Pfefferspray und Pyrotechnik zur Wehr. Fünf Beamt_innen wurden dabei leicht verletzt. Ähnlich ging es der Mönchengladbacher Polizei im Februar, als „eine Gruppierung von rund 150 Störer_innen, die mit einer Vielzahl von Hooligans durchsetzt war“, eine Vogel-Kundgebung störte.

„HoGeSa“

Die Seite „Weil Deutsche sich’s noch trauen“ wurde nach etwa zwei Monaten gehackt, woraufhin sich die „Hooligans gegen Salafisten – HoGeSa“ gründete. Deren Motto lautet: „Gemeinsam sind wir stark“ sowie „In den Farben getrennt, in der Sache vereint.“

21.09.2014:

Eine unangemeldete HoGeSa-Versammlung mit 80 Teilnehmenden fand am 21.09.14 in Essen statt. Die Polizei war mit einem starken Aufgebot vor Ort, nahm Personalien auf und sprach Platzverweise gegen die Gruppe aus. Die Menschen wurden aufgefordert, die Essener Innenstadt zu verlassen. Festgenommen wurde niemand.

28.09.2014:

Am 28.09.2014 fand eine HoGeSa-Demonstration mit 300 Teilnehmer_innen inDortmund statt, darunter bekannte Neonazis wie Siegfried Borchardt („Die Rechte“). Es wurden 100 Teilnehmer_innen erwartet. Gegendemonstrationen gab es nicht. Zwischenfälle ebenfalls nicht.

11.10.2014:

Eine HoGeSa-Demonstration mit etwa 50 Teilnehmenden fand am 11. Oktober 2014 in Frankfurt statt. Einer der drei Ordner des Aufzugs ist ein bekannter Neonazikader aus Mittelhessen, der in der Jugendorganisation der NPD aktiv ist. Eine Gegendemonstration gab es nicht.

26.10.2014:

Bei der größten Demonstration der HoGeSa am 26.10.2014 in Köln zählte man zwischen 3.000-5.000 Teilnehmer_innen, darunter wenige Frauen, sowie kaum Menschen aus dem bürgerlichen Lager und umso mehr stark alkoholisierte Männer. Besonders aufgeheizt wurde die Stimmung der HoGeSa durch den Auftritt der bei Neonazis beliebten Band „Kategorie C“ mit einem eigens für HoGeSa geschriebenen Song. Auch die Gruppe A3stus (das sind die rechtsextremen Berliner Musiker Villain051 und Dee Ex) spielten auf. Es waren 1300 Polizeibeamt_innen im Einsatz, was angesichts der schon im Vorfeld erwarteten 4.000 Teilnehmenden eine viel zu geringe Anzahl war. Auf diese Weise bestand eine schlechte Übersicht über die Versammlung von Seiten der Behörden. Es kam zu schweren Ausschreitungen in der Innenstadt, Beschimpfungen von Passant_innen und Journalist_innen sowie Übergriffen auf sie. Insgesamt entstand ein Sachschaden von rund 40.000 Euro (laut eines Berichts für den Innenausschuss des Düsseldorfer Landtags). 45 Polizist_innen wurden verletzt. Die Demonstration wurde nach 300 m aufgrund zahlreicher Angriffe der Teilnehmenden auf Polizist_innen und Gegendemonstrant_innen aufgelöst. Die Versammlung in Köln erhielt große mediale Aufmerksamkeit und wurde wochenlang in der Öffentlichkeit debattiert.

Gegendemonstration: Eine antifaschistische Kundgebung unter dem Motto „Schulter an Schulter gegen Rassismus und religiösen Fundamentalismus“ fand am selben Tag in Köln statt. 500 Menschen stellten sich den Hooligans entgegen.

08.11.2014:

Für den 08.11.2014 war in Aachen eine Demonstration unter dem Motto „Aachen gegen Salafisten“ mit rund 100 Teilnehmenden geplant. Zur Anmeldung war der Veranstalter in einem T-Shirt mit der Aufschrift „Hooligans gegen Salafisten“ erschienen, worauf hin die Aachener Polizei nähere Recherchen zu der Person anstellte und ihm Kontakte zur Hooligan- und Neonazi-Szene nachweisen konnte. Der Anmelder bekundete seine Begeisterung von den Gewaltausschreitungen der HoGeSa Demonstration in Köln, sodass die Polizei von einem unfriedlichen Ausgang der Versammlung ausging und die Demonstration untersagte.

09.11.2014:

Für den 09.11.2014 war in Berlin eine Demonstration unter dem Motto “Das deutsche Volk wehrt sich” angemeldet worden. Wogegen sich die für 80 Teilnehmer_innen angemeldete Veranstaltung richtet, war im Internet deutlich zu verstehen: „gegen das System der Salafisten & Flüchtlinge.“ Der Anmelder Steven K. stammt aus dem gewaltbereiten Hooligan-Milieu, sagte die Demonstration dann doch kurzfristig ab. Nach eigenen Angaben sollte die Versammlung keine „offizielle“HoGeSa-Veranstaltung sein, jedoch kündigte das gleich Klientel von gewaltbereiten Hooligans und Neonazis aus Berlin und Brandenburg sein Kommen an. Trotz der Absage der Demonstration kamen an der Weltzeituhr auf dem Alexanderplatz, dem Sammelpunkt der Hooligan-Demo, rund 400 Gegendemonstrant_innen am Sonntag zusammen, falls trotzdem Rechte erscheinen sollten. Schließlich kamen 30 Versammlungsteilnehmer_innen, keine Hooligans allerdings, sondern einschlägig bekannte Neonazis aus Berlin und Brandenburg. Eine erste Gruppe von rund 20 Südost-Brandenburger Neonazis, angeführt vom JN-Landeschef Pierre Dornbrach griff bei ihrer Ankunft am Alexanderplatz unvermittelt linke Gegendemonstrant_innen an. Flaschen flogen und sogar ein Barhocker wurde in Richtung der Nazigegner_innen geschmissen. Die anwesende Polizei nahm zwei Neonazis fest.

15.11.2014:

Für den 15.11.2014 war eine HoGeSa-Demonstration in Berlin mit 10.000 erwarteten Teilnehmer_innen angekündigt. Die Realität ist, dass zwar eine Veranstaltung mit 1.000 Teilnehmer_innen angemeldet war, der Anmelder dies jedoch abstritt und plötzlich von Nichts wissen wollte beziehungsweise die Anmeldung zurückzog. Wahrscheinlich war die Demonstration unter Angabe falscher Personalien angemeldet worden.

15.11.2014:

Auch für Hamburg war am 15.11.2014 eine HoGeSa-Demonstration unter dem Motto „Europa gegen den Terror des Islamischen Staates“ angemeldet. Die Anmeldung wurde jedoch auch dort zurückgezogen. Die Polizei plante, ein mögliches Verbot der Demonstration zu prüfen. Die Demonstration wurde bekannterweise nach Hannover verlegt. Interessant hierbei: Claus Döring und Tatjana Festerling, Bezirkskandidat_innen der AfD in Hamburg begrüßten den HoGeSa-Aufmarsch. Ebensoso Mitglieder der NPD Hamburg und Mitglieder der Burschenschaft Germania.

15.11.2014:

An der Demonstration der HoGeSa in Hannover am 15.11.2014 in der Nähe des Hauptbahnhofs am Zentralen Omnibusbahnhof nahmen nach Polizeiangaben 3.000 Menschen teil. Laut eines Polizeisprechers fanden sich dort Teilnehmende aus verschiedensten Spektren ein: Hooligans, Neonazis, Bürgerliche, Krawalltourist_innen. 5.000 Polizeibeamt_innen waren im Einsatz. Es gab strenge Versammlungsauflagen, die ein Alkohol-, Pyrotechnik- und Glasflaschenverbot beinhalteten. Der Auftritt der Band „Kategorie C“ wurde dieses Mal verboten. Die Demonstration in Hannover war im Vergleich zu der in Köln für die HoGeSa wohl eher enttäuschend: Viele Vorkontrollen und ein hohes Polizeiaufgebot verhinderten Gewaltausbrüche und Ausschreitungen fast komplett. Auch die Teilnehmerzahl bedeutete einen herben Rückschlag. Die Teilnehmer_innen waren die komplette Zeit von der Polizei eingezäunt worden und klagten teilweise über Langeweile. Diesmal waren auch die Gegenproteste maßgeblich an einer Ausbremsung der HoGeSa-Demonstration beteiligt. Am Rande der Demonstration kam es zu einigen tätlichen Auseinandersetzungen mit antifaschistischen Aktivist_innen. In Folge einer dieser Konfrontationen wurde ein Hooligan schwer am Kopf verletzt, sodass die Polizei nun wegen versuchter Tötung ermittelt. Nach dem Stattfinden der Demonstrationen erhob die Gewerkschaft ver.di Anschuldigungen gegen die Polizei, welche linken Demonstrant_innen im Vorfeld der Demonstrationen gedroht haben soll, nicht nach Hannover zu fahren, da bei geringsten Straftaten hart gegen sie durchgegriffen werde und sie unter Beobachtung stünden. Das LKA in Kiel bestätigte das Stattfinden sogenannter „Gefährderansprachen“ im linken und rechten Spektrum. Diese seien keine Einschüchterungen.

Die Gegenproteste in Hannover waren zahlreich und gut besucht: Es gab 17 angemeldete Gegenkundgebungen, 5 davon fanden tatsächlich statt. Rund 4.600 Menschen protestierten gegen die HoGeSa, unter anderem das Bündnis „Gemeinsam gegen Rassismus und religiösen Fundamentalismus“ mit Demonstration und Kundgebung in direkter Nähe zu den Neonazis. Unter den circa 3.000 Teilnehmer_innen waren auch viele Fußballfans aus dem linken Spektrum. Des Weiteren gab es eine antifaschistische Gegendemonstration mit rund 5.000 Teilnehmer_innen.

06.12.2014:

In Köln sollte am Samstag, den 06.12.2014 eine Versammlung von HoGeSa-Anhänger_innen stattfinden. Diese richtete sich gegen die zeitgleiche Demonstration linker und kurdischer Gruppen, welche das PKK-Verbot und die staatliche Flüchtlingspolitik kritisierten.  Die rund 70 Teilnehmenden der Hooligan-Demonstration konnten die Auflagen der Stadt nicht erfüllen und wurden deshalb am Laufen gehindert. Der Anmelder der Demonstration soll mit Messern, Pfefferspray und Quarzhandschuhe bewaffnet gewesen sein. Möglicher weise war dies der Grund der Absage.

Nachahmer_innen und Trittbrettfahrer_innen: SaGeSa & BaGeSa

SaGeSa – Saarländer gegen Salafisten

Am 22.11.2014 demonstrierten rund 250 SaGeSa (SaarländerGegenSalafisten) gegen Salafismus in Völklingen. 300 Menschen stellten sich den Rassist_innen in den Weg. Die Demonstration war keine offizielle HoGeSa-Demonstration, offenbar sollte das „GeSa“ wohl mehr Menschen mobilisieren. Die HoGeSa distanzieren sich auf ihrer Website sogar von den SaGeSa: Die Teilnehmenden der SaGeSa-Versammlung seien zum Großteil NPD-Funktionäre. HoGeSa würden sich von keiner Partei instrumentalisieren lassen und hätten nichts mit den Veranstalter_innen der SaGeSa-Versammlung zu tun. Sie würden weiterhin „unpolitisch“ bleiben.

Desweiteren gibt es noch, zumindest in Sozialen Netzwerken:

BaGeSa – Bayern gegen Salafisten
FraGeSa – Franken gegen Salafisten
LaGeSa – Ladies gegen Salafisten
Pa.Ge.Sa. – Patrioten gegen Salafismus
Gemeinsam gegen Salafisten und der Islamischen Staat

HoGeSa 2015?

Auf der offiziellen Website der HoGeSa kündigt man die nächste Demonstration für Februar 2015 im östlichen Raum Deutschlands an. Die darauffolgende Demonstration soll im April nächsten Jahres im Süden der Bundesrepublik stattfinden.

Außerdem probiert man, den Namen „HoGeSa“ amtlich zu schützen und hat wohl eine erste Version der Satzung zur Gründung eines eingetragenen Vereins vorliegen.

Quelle: fussball-gegen-nazis, 10. Dezember 2014

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