Hooligans bei Pegida-Märschen: Die Jungs fürs Grobe

Links zum Thema:
Legida: Die gewalttätige Schwester von Pegida → Publikative.org
Die Unterwanderungsbewegung → taz
Krawalle bei Legida: Hooligan-Gewalt überraschte Leipzigs Polizei → Spiegel Online

Von Christoph Ruf

Pegida-Demo in Dresden: Nicht gut für die Außendarstellung
AFP Pegida-Demo in Dresden: Nicht gut für die Außendarstellung

Rentner und Ehepaare dominieren die Bilder der Pegida-Demos, doch auch Hunderte gewaltbereite Hooligans laufen in Dresden mit – einige sogar in offiziellen Funktionen.

Das hier ist die Hooligan-Zone. Während die vielen tausend eher bürgerlichen Pegida-Demonstranten nach und nach bei der Abschlusskundgebung am Skaterpark ankommen, sichern die Jungs fürs Grobe nach hinten ab. Rund um die St. Petersburger Straße, die die Pegida-Kundgebung von der Innenstadt trennt, stehen in mehreren Grüppchen rund 100 Hooligans und blicken Richtung City. Manche erwartungsfroh, die meisten eher gelangweilt: Sie scheinen zu ahnen, dass die Gegendemonstranten sich auch am Ende der Demo nicht allzu nah an die Pegida-Leute herantrauen werden. Sie sind zu wenige. Und sie sind physisch deutlich unterlegen.

Die Hooligans von Dynamo Dresden bilden am Montag die größte Gruppe, auch der BFC Dynamo Berlin ist gut vertreten, während des Demozuges durch die Innenstadt sieht man auch Hools aus vielen anderen Szenen. Gut zwei Drittel von ihnen laufen im Pulk mit, der Rest hat hier eine Mission zu erfüllen – manche davon auch offiziell. Dass die Pegida-Ordner, die mit weißen Armbinden die Ränder der Kundgebung sichern, fast alle aus der Fußballszene sind, ist offensichtlich. Als auf Höhe der „City Herberge“ zwei eher schmächtige Jungs mit Ordner-Binde Position beziehen, schaut man zweimal hin. In der Masse der stiernackigen Kampfsportler fallen sie auf.

Mindestens 500 Hooligans dürften am Montagabend in Dresden gewesen sein. Das ist die eine Seite von Pegida, die ist nicht so gut geeignet für die Außendarstellung. Die mit dem Stiernacken reden deshalb auch nicht mit der Presse. Sie winken höhnisch grinsend ab, wenn da wieder einer mit einem Mikrofon naht oder ein Student zur Teilnahme an einer soziologischen Umfrage auffordert.

Die andere Seite von Pegida sind Tausende Rentner und Ehepaare mittleren Alters. Diejenigen, die gemeint sind, als Pegida-Sprecherin Kathrin Oertel ihren Unmut über den Schlagersänger Roland Kaiser vom Rednerpult herunterruft und feststellt, dass „auch viele Pegida-Anhänger zu Ihren Konzerten kommen, Herr Kaiser.“ Sie meint die Alten, die Verunsicherten, die Leute, die sich selbst zur Mitte der Gesellschaft zählen.

So entsteht vor den Fernsehbildschirmen der Eindruck von Pegida, den die Bosse so gerne haben und den sie mit ihrem Schlachtruf „Wir sind das Volk“ ausdrücken: Pegida? Das sind lauter gesetzestreue, brave Bürger, die die „berechtigten Anliegen“ artikulieren, die ihnen viele sächsische Politiker und Sportfunktionäre so gerne zubilligen. Man dürfe nicht alle als Nazis und Rechtsradikale diffamieren, heißt es.

Jacken mit „Thor Steinar“ und „88“

Das stimmt. Aber muss man deswegen verschweigen, dass jeden Montag Hunderte Angehörige verbotener Kameradschaften und andere Neonazis mitmarschieren? Muss man all die „Thor Steinar“-und „Erik and sons“-Jacken verschweigen? Frauen mit der „88“ (Heil Hitler) auf der Jacke, die Anhänger von „Elbflorenz“, einer in erster Instanz als „kriminelle Vereinigung“ verbotenen Dresdner Hooligangruppe?

Wer bei den Kundgebungen zuhört und den Demomarsch mitmacht, hört dann auch Widersprüchliches: Üble rassistische Sprüche, die im demokratischen Spektrum tabu sind. Und Hooligans, die den Gegendemonstranten empört zurufen, dass sie sich von deren Faschismusvorwürfen nicht angesprochen fühlen: „Lest doch mal unser Positionspapier!“

Ob das Positionspapier, das unter anderem ein Einwanderungsgesetz fordert, von allen Hooligans gelesen wurde, darf man bezweifeln. Allerdings geht von ihnen an diesem Abend auch keine Gewalt aus. Selbst als ein paar Antifas dem Demozug an einem Bauzaun nahekommen, bleiben die Hooligans relativ ruhig, das war in der Vorwoche noch ganz anders. Die meist sehr jungen Gegendemonstranten sind ihnen heute nur ein abfälliges Lächeln wert. Keine Gegner.

Die Hools kommen bei Pegida dennoch auf ihre Kosten. Es dürfte in ihrem Alltag nicht allzu oft vorkommen, dass sie für ihre Ziele streiten und dennoch zusammen mit Tausenden anderen Menschen „Wir sind das Volk“ skandieren können.

Quelle: Spiegel Online, 13. Januar 2015

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